Betriebswirtschaft: Quelle für unternehmerische Misserfolge

Die Betriebswirtschaftslehre hat Unternehmen schon immer begleitet. Zu Beginn standen bereits Buchführungsmethoden, welche später durch Führungsthemen geprägt wurden. Sie stellt Lösungen für Führung, Organisation und Verwaltung von Unternehmen zur Verfügung, um knappe Ressourcen ökonomisch optimal nutzen zu können. Sie bildet damit auch einen Überbau für die Dienstleister. Über deren Ausbildung und Beratungsleistungen gelangt Fremdwissen in die Betriebe, welches scheinbar nicht überprüfbar ist.

 

Diese Rahmenbedingungen helfen einerseits, engen aber gleichzeitig die unternehmerischen Freiheiten ein und begünstigen Fehlentwicklungen in allen Handlungsfeldern, weil ein Silodenken entsteht. Dieses verhindert, dass die zunehmenden Herausforderungen erkannt werden. Für Dienstleister und ausgebildete Mitarbeiter ist das ein strategischer Vorteil: Sie können behaupten, dass das Teilwissen richtig, dauerhaft einsetzbar und Ersatz für eine ganzheitliche Lösung ist. So verkommt eine Marktentwicklung zur einfachen Imagewerbung, Leistungssteigerung zur Kostenrechnung und Buchhaltung zur sog. BWA (betriebswirtschaftliche Auswertung). Gewinn- und Verlustrechnungen im Rahmen der Bilanzierung schreibenden Unternehmenserfolg oder Misserfolg fest.

 

Alle Dienstleister haben scheinbar recht und lassen Unternehmer orientierungslos zurück. Diese müssen jedoch alle Teilbereiche aufeinander abstimmen, damit Fehler verhindert werden. Mit fehlerhaft entwickelten Teillösungen ist das jedoch nicht möglich. Das führt in der Unternehmenspraxis zu massiven Fehlentwicklungen, weil jede Teilaufgabe von unterschiedlichen Kennzahlendominiert wird (Rechnungswesen, Marktentwicklung, Leistungssteigerung, Finanzierung, Mitarbeiterführung). Die Integration in ein Erfolgssystem wird verhindert. Dadurch wird eine Akzentverschiebung vom Unternehmenserfolg auf Kennzahlenmanagementdurch Akteure begünstigt, welche die Ziele der Unternehmer aushöhlen.

 

Es stellt sich die Frage, wie unternehmerische Ziele derart unterlaufen werden konnten, ohne dass die Ursachen für Fehlentwicklungen erkannt wurden.

Die Quelle für eine rein zahlenbasierte Steuerung liegt weit zurück. Begünstigt wird das durch den Taylorismus, durch den komplexe Aufgaben in Teilaufgaben zerlegt werden, die keine oder nur geringe Denkvorgänge erfordern. Der Faktor Mensch wird als Kostenstelle gesehen, was Innovation und Motivation erstickt. Diesem Ansatz folgen zwangsläufig das Rechnungswesen und in neuerer Zeit Softwarelösungen, welche zunehmend die Unternehmenspraxis bestimmen.

 

Die klassische Trennung in Rechnungskreis I (Finanzbuchhaltung)und Rechnungskreis II (Kostenrechnung) ist ein Relikt, das in einer agilen, datengetriebenen Welt zur Katastrophe führen kann. Es fehlen sowohl das Verständnis als auch technische Lösungen, um ein zielführendes integriertes Rechnungswesen zu schaffen, welches das Rechnungswesen mit den menschlichen Potenzialen verknüpft.

 

Zunehmend werden immer mehr Informationssysteme entwickelt, welche die Wahrheit für sich reklamieren. Das Problem ist bekannt, wird aber oft nur auf theoretischer Ebene diskutiert. Praktisch verhindert auch die Mentalität der Zahlenlieferanten eine Lösung. Leben doch fast alle Beteiligten (Buchhalter, Berater und Softwareanbieter) gut davon, dass Kunden die aufbereiteten Daten – mehr oder weniger – kritiklos akzeptieren. Dabei wird übersehen, dass Buchhalter in Dokumentation, Betriebswirte in Kostensteuerung, Steuerberater/Wirtschaftsprüfer in Steueroptimierung, Beraterin Planung und SOLL-/IST-Vergleichen und Softwareanbieter in Datenhaushalten und Kennzahlenbildungen denken, das nicht auf ganzheitlichem Wissen beruht.

 

Die Folgen sind dramatisch:

·       Trennung von Hand-/Maschinenarbeit und Kopfarbeit

·       Trennung von Handlung und Gesamtleistung

·       Trennung von Taktik und Strategie

·       Trennung von Arbeit und Motivation.

Unternehmer und Manager treffen so Entscheidungen auf Basis von „Phantombildern“. Es wird in Bereiche investiert, die nur auf dem Papier glänzen, und es vernachlässigt Geschäftsfelder, die große Erfolgspotenziale haben.

Das Problem verschärft sich dadurch, dass die Buchhaltung Zahlen und Leistungen nicht eindeutig abgrenzt, weil das externe Rechnungswesen den betriebswirtschaftlichen Sichten folgt. Und dem Ansatz folgt dann das Controlling. Es erinnert an die Redewendung, wonach der Schwanz, der mit dem Hund wedelt, schlauer als der Hund sein muss.

Ist nicht alles viel einfacher, als behauptet? Die Erträge müssen dauerhaft höher als die Kosten sein, um überleben zu können. Dafür wurden allgemein zugängliche Strategien entwickelt. Wenn Softwaretools kritisch hinterfragt werden, zeigen sich durch unterschiedliche Referenzen und Sichten in Teilbereichen Widersprüche, die zu Ablehnungen führen müssen.

Fehlerhafte Angebote können so schnell erkannt werden. Und was fehlt, ebenfalls. Eine einfache Steuerung, möglichst über einen Steuerungswert, den alle verstehen. Gelingt das nicht, sind Fehlentwicklungen vorprogrammiert.

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